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Saterfriesisch

  • Geschrieben von Erika Strotmann

Kinder können mit zwei Sprachen aufwachsen

 

Kinder im Alter bis zu acht Jahren erlernen spielerisch leicht mehrere Sprachen. Jeder Saterländer, der über 40 Jahre ist, hat als Kind so zuerst saterfriesisch, dann meist noch niederdeutsch und schließlich noch Hochdeutsch erlernt. Das Hochdeutsche war bis vor etwa 15 Jahren die am seltensten benutzte Sprache. Doch die Botschaft der Kulturpolitik und nicht weniger Lehrer, die als einsprachig aufgewachsenen Stadtkinder ihre Probleme mit den einheimischen Sprachen hatten, war dann:“ Sprecht Hochdeutsch mit euren Kinder, dann haben sie es leicht in der Schule!“ Dies war eine sachlich falsche Aussage, die in den sechziger und siebziger Jahren vor allem der alten saterfriesischen Sprache großen Schaden zugefügt hat. Inzwischen ist durch zahlreiche Forschungsergebnisse belegt, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder eine größere Intelligenz entwickeln, da das Sprachzentrum im kindlichen Gehirn mehr angeregt wird. Ferner fällt es mehrsprachigen Kindern viel leichter noch weitere Sprachen zu erlernen, z.B. das Englische oder Französische. Doch bis heute halten sich noch die alten Fehlurteile in den Köpfen der Eltern.

 

Für die saterfriesische Sprache ist es indessen zur Überlebensfrage geworden, ob Eltern ihre eigene Muttersprache an ihre Kinder weitergeben. Mittlerweile ist Saterfriesisch in der Europäischen Charta für regional- und Minderheitensprachen anerkannt. Dies ermöglicht immerhin eine aktivere Unterstützung der Spracharbeit in den Kindergärten und Schulen. So nehmen die Saterfriesen mit Unterstützung der Gemeinde Saterland und der Bezirksregierung an einem Europäischen Projekt teil, zusammen mit Minderheitsgruppen aus Italien, Österreich, den Niederlanden und Deutschland. In diesem Projekt konnten 2002 und 2003 zwei Fortbildungen für die überwiegend ehrenamtlich tätigen Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen für Saterfriesisch durchgeführt werden. Außerdem konnten Bilderbücher und Unterrichtsmaterialien erarbeitet werden, die die Mitarbeiter nun in der Arbeit mit den Kindern einsetzen können. Auch wenn alljährlich mehr als 200 Kinder an den saterfriesischen Arbeitsgemeinschaften teilnehmen, so kann man mit der derzeitigen Situation nicht zufrieden sein, denn es wird wöchentlich nur eine Stunde Saterfriesisch erteilt. Das reicht nicht aus, um eine Sprache zu erlernen. Man bedenke einmal, wie viel Englisch die Kinder aktiv sprechen können, wenn sie jahrelang vier Stunden in der Woche gehabt haben!

 

Die Sprache muss im Elternhaus oder in der nahen Umgebung von einem Sprachpaten mit dem Kind gesprochen werden, dann kann der Sprachunterricht dies sehr unterstützen.

 

Zugleich muss man klar festhalten, dass der Erhalt der Sprache trotz aller Wertschätzung in den Kindergärten und Schulen davon abhängt, ob die Saterfriesen selbst bereit und willens sind, mit ihren Kindern oder Enkeln auch Saterfriesisch zu sprechen. Saterfriesisch macht Vertrautheit und Geborgenheit erfahrbar; - wenn ich in der Fremde diese Sprache höre, ist es schon ein Stück „zu Hause sein“. Wollen wir unseren Kindern diese kulturelle Identität vorenthalten?

 

 

 

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